Der Reifen am Fahrrad läuft unrund und eiert? Dann ist es Zeit, das Laufrad zu zentrieren. Mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung können Sie Laufräder mit etwas Geschick auch selbst zentrieren. Unter „zentrieren“ versteht man das Ausrichten einer montierten Felge im Laufrad über das gezielte Verändern der Speichen-Spannung.
So erzeugt man einen schlagfreien Rundlauf der Felge gegenüber der Laufachse sowohl in der Höhe als auch zur Seite. Es wurden zwar schon hunderte solche Anleitungen zum Laufräder zentrieren im Internet veröffentlicht, doch viele dieser Beschreibungen sind sehr unpräzise und werfen für einen Anfänger Fragen auf.
Die folgende Anleitung bezieht sich auf die allgemein üblichen Laufräder mit mehrfach gekreuzten Speichen. Ganz gleich, ob 32 oder 36 Speichen, ob 26“, 27,5″ oder 28“/29″, ob Vorder- oder Hinterrad, ob eindickend oder doppeldickend Speichen, ob Alu- oder Messing-Speichennippel.
Bevor ich mit einer Beschreibung des Zentrierens beginne, macht es aus meiner Sicht sehr viel Sinn, sich ein Laufrad mal etwas genauer anzusehen. Das fördert das Verständnis für die einzelnen Handgriffe beim Zentrieren. Ein Laufrad besteht aus der Nabe, der Felge und den Speichen samt der Speichennippel. Schlauch und Reifen ignorieren wir an dieser Stelle, denn sie würden das Zentrieren nur erschweren bzw. behindern.
Die Speichen tragen ein Rechts-Gewinde. Das bedeutet (von außen betrachtet): Drehung am Speichennippel nach rechts erhöht die Spannung einer Speiche im Laufrad, Drehung nach links reduziert die Spannung. Für die Montage bzw. Demontage der Speichennippel trägt der Speichennippel stirnseitig einen Schlitz für einen Flach-Schaubendreher und am anderen Ende ein Vierkant-Profil für die Betätigung per Nippelspanner. Alle Speichen gemeinsam halten diese Verbindung zwischen Nabe und Felge permanent aufrecht und müssen im Fahrbetrieb sämtliche Belastungen abfangen: schweres Gewicht, Schläge, große Temperaturunterschiede und andere Einflüsse. Damit der Verbund aus Nabe, Felge und Speichen ausreichend stabil ist, müssen die Speichennippel also entsprechend „fest“ angezogen sein. Man kann die Spannung der Speichen per Messgerät messen oder auch auf andere Weise „prüfen“.
Um besser zu verstehen, welche Auswirkungen die Speichenspannung auf den Rundlauf der Felge und die Stabilität des Laufrades hat, helfen ein paar theoretische Übungen. Wir stellen uns dafür vor, alle Speichen wären ausreichend fest zwischen Nabenkörper und Felge gespannt und die Felge würde im Rundlauf exakt mittig geführt und hätte keinen Höhen- oder Seitenschlag.
Fazit: Genau diesen Zusammenhang macht man sich beim Zentrieren zunutze. Durch gezieltes Anziehen oder Lösen der einzelnen Speichennippel erzeugt man Schritt für Schritt eine mittige Position der Felge auf der Nabe, eine gewünschte Veränderung der Speichenspannung und / oder eine Reduzierung der Höhen- und Seitenschläge. Dafür muss man nur den betreffenden Bereich der Felge lokalisieren und die entsprechend betroffenen Speichen in diesem Bereich „behandeln“.
Das Zentrieren besteht aus mehreren verschiedenen Arbeitsschritten und dient dem Erreichen der folgenden Ziele:
Die Reihenfolge der Arbeiten im Prinzip:
Nippel- Speichenspanner oder Speichenschlüssel kostet zwischen 5 bis 10 Euro. Bei Multitools ist ein Speichenschlüssel dabei. Willst du genauer und häufiger dein Laufrad zentrieren, dann benötigst du noch diese Tools: Zentrierständer, da erkennst du Höhen- und Seitenschläge direkt. Die Spannung der Speichen überprüfst du mit einem speziellen Messgerät.
Stelle dein Fahrrad auf den Kopf und hänge die Bremse aus. Entferne den Reifen, so erkennst du einen Höhenschlag.Danach drehe das Rad langsam und schaue, an welcher Stelle es ausschlägt. Markiere den Bereich mit einer Kreide oder Stift.
Faustregel bei seitlichen Felgenschlag: Schlägt die Felge nach rechts, ziehe die linken Speichen fest oder löse leicht die rechten Speichen. Umgedreht ziehst du die rechten Speichen fest, wenn das Rad nach links ausschlägt.
Probiere zuerst mit einer Viertel bis max. halbe Umdrehung, wenn die Felge heftig ausschlägt. Drehst du zu viel, geht die Felge in die andere Richtung. Dann fängt die Fummelei an und viel Geduld ist gefragt. Achte darauf das der Speichenschlüssel genau passt, ansonsten drehst du den Nippel rund.
Ziehe den Reifen ab und suche den Bereich, wo das Rad eiert und markiere ihn.
Faustregel bei Höhenschlag: Geht die Felge nach außen spanne dort die Speichen. Reicht das nicht, ziehe die andere Seite auch nach. Bewegt das Rad sich nach innen lockere die Speichen.
Höhenschläge siehst du mit dem Zentrierständer besser.
Schau, ob die Felge noch rund läuft und nicht wieder zur Seite ausschlägt. Danach kontrolliere die Spannung aller Speichen. Drücke mit der Hand immer zwei zusammen. Genauer ist es mit dem Speichenmesser, der ist für Hobbyradler preislich etwas übertrieben.
Damit misst du die Spannung der Speichen.
Lege die Felge auf den Boden und drücke mit beiden Händen drauf. Wiederhohle das 2 bis 3 Mal für beide Seiten. Prüfe nochmals die Felge.
Dein Fahrrad Achter ist noch nicht weg, dann bringe es in die Werkstatt. Der Monteur verlangt zwischen 15 bis 20 Euro je nach Region und Schwierigkeit. Bringe nur die Felge ohne Reifen zur Werkstatt, sonst berechnen sie dir noch den Ausbau extra. Die professionelle Reparatur ist sinnvoll bei hochwertigen Laufrädern. Ansonsten überlege dir eher ein neues Laufrad zu kaufen.
Quelle: biketrailspfannenstiel.ch/auskunft/laufrad-schlag-beseitigen